Film

Erstes Halbjahr mit Plus - WM drosselt jedoch Ergebnis im Juni

01.01.1970 01:00 • von

Nach den aktuellen Zahlen von Nielsen EDI verbuchten die Kinos im ersten Halbjahr 2006 ein Umsatzplus von 8,8 Prozent und ein Besucherplus von 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt wurden in den deutschen Kinos vom 2. Januar bis 2. Juli 373,6 Mio. Euro umgesetzt beziehungsweise 62,5 Mio. Besucher gezählt. Der deutsche Film erfreute sich besonders großer Beliebtheit: Hier zählt Nielsen ganze 14,8 Prozent mehr Besucher (15,7 Prozent mehr Umsatz) als im ersten Halbjahr 2005, was Titeln wie "Die wilden Kerle 3", "Das Leben der Anderen" und "Die wilden Hühner" zu verdanken ist. Der Marktanteil des deutschen Films liegt nach Besuchern bei 17,3 Prozent. Der erfolgreichste Film in den ersten sechs Monaten 2006 ist - nach Besuchern und Umsatz - "Ice Age 2 - Jetzt taut's" mit 8,6 Mio. Besuchern. Auf den Plätzen folgen "The Da Vinci Code - Sakrileg" (5,1 Mio. Besucher) und - nur nach Besuchern - "Die wilden Kerle 3" (2,1 Mio. Besucher). Nach Umsatz war "Walk the Line" stärker als das deutsche Kids-Sequel. Im Verleiher-Ranking steht Twentieth Century Fox of Germany mit einem Umsatz-Marktanteil von 22 Prozent an erster Stelle. Auf Platz zwei folgt Sony Pictures (14,4 Prozent), auf Platz drei Buena Vista International (14,3 Prozent). "Mit Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia, 'Die wilden Kerle 3', Himmel und Huhn, 'Scary Movie 4' und 'Das Leben der Anderen' konnte Buena Vista International maßgeblich zu dieser Entwicklung beitragen. Das vorhersehbare Tief zur Fußball-WM wäre sicher deutlich kleiner ausgefallen, wenn die Kinobranche nicht im Vorfeld schon vollständig kapituliert und sich nicht - um das in der Fußballterminologie zu sagen - ins Abseits des öffentlichen Bewusstseins manövriert hätte. Schade, eine verpasste Chance", merkt Wolfgang Braun, Managing Director von BVI, an. WM-Tief war vorhersehbar

Dass die Branche das zweistellige Plus, das sie zwischenzeitlich im Mai erreichte, nicht bis Ende Juni halten konnte, lag an der im Juni beginnenden Fußball-WM und dem parallel einsetzenden schönen Sommerwetter. Insgesamt drei WM-Wochenenden stehen unter den "20 schlechtesten Kinowochenenden seit 1992" (Zahlen nach Nielsen EDI). Das vergangene (29. Juni bis 2. Juli) steht mit 2,15 Mio. Euro Umsatz auf Platz vier dieser Liste (das letzte noch schlechtere Wochenende liegt zwölf Jahre zurück), gefolgt vom Vorwochenende (22. bis 25. Juni), an dem die deutschen Kinos nur 2,4 Mio. Euro in der Kasse hatten. Und das erste WM-Wochenende (8. bis 11. Juni) rangiert auf Platz 17 der "schlechtesten Wochenenden".

nicht konkurrenzlos dasteht. Es ist die Aufgabe der Gesamtbranche, sich besser und stärker zu positionieren", schließt Steinschulte. "Wir sind keine Wachstumsbranche" Für seinen Kollegen Vincent de La Tour, Managing Director von Fox, ist das erste Halbjahr "hervorragend" verlaufen. Mit Hits wie "Ice Age 2", "Walk the Line" und "X-Men 3" katapultierte sich der Major auf Platz eins im Verleiher-Ranking. "Wir sind stolz, mit 'Ice Age 2' kräftig zu dem positiven Halbjahresergebnis beigetragen zu haben. Im letzten Jahr gab es einige Spezialisten, die das Kino bereits zu Grabe getragen haben. Die wurden nun alle eines Besseren belehrt. Wenn die Filme stimmen, qualitativ und thematisch, läuft das Geschäft." De La Tour ist sich sicher, dass die ersten sechs Monate ohne Weltmeisterschaft und Sommerwetter weitaus bessere Ergebnisse erzielt hätten. "Aber das war auch in Ordnung, weil Deutschland so ein riesiges Volksfest wie die WM lange nicht erlebt hat." Mit den vielen anstehenden originellen und originären Produkten im zweiten Halbjahr werde die Branche das Plus zum Vorjahr ausbauen können, ist der Fox-Chef überzeugt. "In unserem Line-up setze ich auf 'Garfield 2', den lang erwarteten Hit 'Der Teufel trägt Prada' und den neuen Film von Ridley Scott,,A Good Year. Geheimhits sind für mich 'Thank You for Smoking' und 'Little Miss Sunshine'. Und als großen Weihnachtsfilm bringen wir 'Eragon - Das Vermächtnis der Drachenreiter' in die Kinos."

Auch Wolfgang Braun glaubt daran, dass das zweite Halbjahr den Vorsprung auf 2005 weiter ausbauen kann: "Ohne jede Frage wird 'Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2' der Film des Jahres 2006 und völlig neue Besucher- und Kassenrekorde aufstellen. Mit dem Disney/Pixar-Blockbuster 'Cars' legen wir gleich nach, und die besondere deutsche Synchronisation mit ihren außergewöhnlich presse- und publikumswirksamen Stars, darunter der siebenfache Weltmeister Michael Schumacher, garantiert einen Superkinomonat im September. Weitere Highlights mit Blockbuster-Garantie sind natürlich auch 'The Guardian', 'Bandidas' mit dem Traumduo Salma Hayek und Penelope Cruz und 'Crank'. Mit 'Santa Clause 3' setzen wir die erfolgreichste Weihnachtskomödienserie der Kinogeschichte fort, und mit der Jerry-Bruckheimer-Produktion 'Déjà vu' erlebt das Jahr einen Kinohöhepunkt ganz in der Tradition von 'Con Air', 'The Rock - Fels der Entscheidung' und 'Der Staatsfeind Nr' und damit seinen fulminanten Abschluss. Es wird ein sehr gutes zweites Halbjahr, für Buena Vista sogar wohl das beste aller Zeiten", kommentiert Wolfgang Braun.

Auch die Kinobetreiber glauben fest an eine Fortsetzung der positiven Tendenz, wenngleich ihnen der Juni einiges der guten Umsätze von Januar bis Mai "aufgefressen" habe, so der Münchner Kinomacher Fritz Preßmar. In seinem Filmtheater am Sendlinger Tor verzeichnet er dennoch ein leichtes Plus zum Vorjahreshalbjahr. "Das Kinogeschäft ist Schwankungen unterworfen, bedingt durch Faktoren wie Wetter, Filmangebot oder Großveranstaltungen. Das ist normal. Eine Wachstumsbranche sind wir nicht und werden wir nie sein."

Auch Kinopolis kann ein leichtes Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr vermelden. "Dank vorsichtiger Planung hat der Juni nicht so viel weggenommen", kommentiert Kinopolis-Manager Hans-Jürgen Jochum das Ergebnis. Als "übermächtig" erlebte Cinemaxx die beiden Negativfaktoren Fußball-WM und Sommerwetter, obwohl vor allem die live übertragenen Deutschland-Spiele sehr gut besucht gewesen seien. Dennoch blickt Arne Schmidt, Pressesprecher der Hamburger Kinokette, positiv nach vorn: "'Ice Age 2' und 'The Da Vinci Code' haben uns im ersten Halbjahr sehr geholfen. Jetzt kommen noch etliche vielversprechende Filme für jeden Geschmack wie 'Fluch der Karibik 2', 'Ab durch die

Hecke', 'Hui Buh, das Schlossgespenst', der neue James-Bond-Film, 'Jagdfieber', '7 Zwerge 2' oder 'Klick'. Der Trend nach oben hält also unseres Erachtens an." Dass man mit dieser vielfältigen Palette an Filmen an die Boxoffice-Zahlen von 2004 herankommen könne, daran glaubt Georg Welles von UCI. "Die großen Blockbuster starten ja erst jetzt", pflichtet ihm sein Kollege Thomas Schulz, Unternehmenssprecher von Cinestar, bei und betont, dass das erste Halbjahr 2006 sowieso nicht so schlecht hätte sein können wie das erste Halbjahr 2005. Die unabhängigen Kinos, die die WM nicht mit Live-Übertragungen überbrücken konnten, traf es dennoch hart. "Während der WM hätten wir wirklich schließen können", so Antje Witte vom Frankfurter Kino Orfeos Erben. "Selbst das Open-Air-Kino lief sehr schlecht." Allerdings zieht auch sie eine positive Bilanz der ersten Monate des Jahres: "Unsere gebuchten Filme haben alle funktioniert. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir 'Klimt'." bas/th