Film

Jan Mojto über Quotendruck und Gewissensfragen

17.10.2005 13:52 • von Jochen Müller

Bei der Mip-TV im Frühjahr 2004 gaben Sie den Kauf von Beta Film aus der Insolvenzmasse von KirchMedia bekannt. Wie sieht die Aufgabenaufteilung und Positionierung von Beta und Eos aus? Die Aufteilung ist ganz einfach und spiegelt meine Überzeugung wider, dass es im Inhaltegeschäft auf zwei wesentliche Elemente ankommt: einerseits auf die Produktion der Inhalte, also Eos, andererseits auf den Vertrieb und Verkauf der Inhalte, das übernimmt die Beta. Meine Vorstellung war immer, diese beiden Element zu verbinden, gleichzeitig aber in einem produktiven Spannungsverhältnis zu halten.

Im März 2005 wurde die Kineos gegründet, ein Joint Venture mitKirch Media, an dem Beta Film 50 Prozent hält. Welche Aufgaben hat Kineos? Kineos ist die Verwertungsgesellschaft der Free-TV-Rechte für Deutschland, Österreich und die Schweiz der KirchMedia-Bibliothek und umfasst rund 12.000 Titel. Darunter befinden sich 8000 Spielfilme mit Klassikern der dreißiger bis sechziger Jahre, aber auch viel neues Produkt wie "M:I-2" und "Vertical Limit" oder Serien wie "Sex and the City"; 5000 Titel sind amerikanischen Ursprungs.

Sind die neuen Sender, die derzeit in Deutschland starten, potenzielle neue Programmabnehmer? Das sind natürlich interessante neue Kunden für uns. Wir halten das Programm in einer Form vor, dass es gleich einsetzbar ist. Die Sender wollen beweglicher sein und ihre Programmnachfrage kurzfristiger befriedigen. "Eine Daily-Soap ist nicht unser Thema" Heißt das, Rechte werden künftig für kürzere Zeiträume vergeben? Ja, das ist das Zukunftsmodell. Um Rechte und Produktionskosten zu refinanzieren, müssen alle Auswertungsstufen optimal ausgeschöpft werden.

Wie ist Eos als Produktionsunternehmen aufgestellt? Eos will nicht als Konkurrenz zu bestehenden und etablierten Produzenten auftreten, sondern wir wollen komplementär sein. Das heißt, wir wollen zusammen mit Produzenten Produktionen realisieren, die wir für sinnvoll und vertriebsfähig halten. Heute kann man große Produktionen nicht mehr allein stemmen.

Wie viele Projekte realisieren Sie im Jahr? Mit verschiedenen Partnern machen wir fünf bis sechs große Produktionen im Jahr. Diese Philosophie wollen wir auch beibehalten. Eine Daily-Soap ist nicht unser Thema.

Eos hat sich auf große Produktionen konzentriert - müssen die Geschichten immer historisch sein? Diese scheinbare Fixierung auf historische Stoffe hat sich aus unseren Anfängen ergeben. Das tatsächliche Spektrum ist jedoch breiter. Richtig ist: Wir wollen große, epische Stoffe erzählen, die mit entsprechenden Mitteln ausgestattet sind. Es sollen Geschichten sein, die vermarktbar sind, und da liegt es nahe, dass man auf historische Stoffe zurückgreift, weil sie bekannt sind.

Mit Teamworx haben Sie das Zehn-Mio.-Euro-Projekt "Dresden" realisiert. In dem Event-Zweiteiler geht es um die Bombardierung der Elbe-Metropole im Zweiten Weltkrieg, eingebettet und erzählt anhand einer Liebesgeschichte. Wird diese Erzählform dem Thema gerecht? Unsere Stoffe sind ambitioniert. Aber diese müssen wir heute so erzählen, dass sie beim breiten Publikum ankommen. Geschieht das nicht, kriegen wir nicht die Mittel, die dafür notwendig sind.

Können Sie ein Beispiel nennen, wo diese Gratwanderung zwischen Trivialität und Drama gelingt? Wir drehen gerade einem Zweiteiler über das Leben des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Rudolf. Das ist eine große Liebesgeschichte, tragisch, romantisch. Sie endet mit dem Tod der zwei Liebenden. Gleichzeitig wird diese Geschichte in einem historischen Kontext erzählt, dem Niedergang der kaiserlich-königlichen Donaumonarchie.

Wie reagieren die Sender auf epische Stoffangebote? Mehrteiler haben es doch mittlerweile schwer, ins Programm genommen zu werden. Die Sender sind interessiert daran, solche Stoffe zu bekommen, weil sie ja nicht von vorneherein sagen, ich will nur Seichtes. Wir versuchen mit jeder Produktion, Anspruch und Quote zusammenzubringen. Natürlich ist es heute schwieriger, einen Vierteiler zu platzieren, als noch vor einigen Jahren. Derzeit arbeiten wir an "Krieg und Frieden" von Leo Tolstoi. Hätten wir nach dem Markt entschieden, hätten wir einen Zweiteiler machen müssen. Es wird aber ein Mehrteiler, weil wir das Thema nicht verschenken wollten.

Mit welchen Partnern setzen Sie "Krieg und Frieden" um? Wir sprechen mit verschiedenen Sendern. Produziert wird ab 2006 mit Lux Vide aus Italien, voraussichtlicher Ausstrahlungstermin ist 2007.

Eos ist Koproduktionspartner von "Rom", einer historischen Serie für HBO. Eigentlich hatten Sie ja ein ähnliches Projekt in der Pipeline: die Imperiums-Reihe über römische Kaiser. Bei der Imperiums-Reihe, die wir auf sechs Teile angelegt haben, war geplant, erst abzuwarten, wie die ersten beiden Teile "Augustus" und "Nero" funktionieren. "Nero" wird kurz vor Weihnachten vom ZDF ausgestrahlt, das warten wir erst mal ab.

Wird die Imperiums-Reihe fortgesetzt? Das ist nicht auszuschließen.

Ist es schwierig, bei einem Mammutprojekt wie "Rom", das 100 Mio. Dollar kostet, mit so vielen Partnern zusammenzuarbeiten? Natürlich ist das sehr schwierig, weil Sie verschiedene Leute mit verschiedenen Vorstellungen auf einen gemeinsamen Nenner bringen müssen. Manchmal ist das sogar unmöglich. Der einzig richtige Weg ist, so glaube ich, offen miteinander zu sprechen. Wenn man den richtigen Weg gefunden hat, den Stoff zu erzählen, darf man sich nicht davon abbringen lassen. Und das ist die Schwierigkeit. Aber das ist das normale Arbeiten eines Produzenten. Anspruch und Quote zusammenbringen Wenn man sich geeinigt hat - ist die Umsetzung schwieriger geworden? Alles ist schwieriger geworden. Es ist nicht mehr so viel Geld da wie früher, die Leute bei den Sendern stehen unter hohem Quotendruck, die Finanzierung ist sehr komplex geworden. Wir alle stehen unter einem großen Leistungsdruck, der einen lahm legen kann - zum Glück machen wir diesen Eindruck nicht.

Welche Marktchancen geben Sie deutschen TV-Produktionen international? Die Programme sind konkurrenzfähig, auch im Vergleich zum US-Produkt. Wir haben einen Nachteil: Wir drehen nicht in Englisch, und damit ist ein großer Teil des Weltmarkts für uns verschlossen.

Welchen Film würden Sie gern aus persönlichen Motiven realisieren? Einen Film über Papst Pius XII.

Warum? Mich interessiert das Thema. Die Funktion und Verantwortung, die diese Person sich zu der damaligen Zeit, Mitten im Zweiten Weltkrieg, stellen musste. Um dann vor dem eigenen Gewissen und vor Gott zu stehen. Dann würde ich gern noch eine große Geschichte machen über die Zeit des Kalten Kriegs, über das geteilte Deutschland und Europa. Ich glaube sogar, dass mir das gelingen wird. fra/ak