Film

Florierender Arthouse-Markt in Dresden

20.07.2005 12:45 • von Jochen Müller

In der 480.000 Einwohner zählenden sächsischen Landeshauptstadt bieten allein sechs gewerbliche Filmtheater mit zusammen 14 Sälen und 2857 Plätzen Arthouse-Programme an. Hinzu kommen drei Multiplexe, die mit insgesamt 25 Sälen und 5489 Plätzen den Mainstream-Markt abdecken. Gemeinsam mit Stuttgart lag Dresden im vergangenen Jahr mit einem Pro-Kopf-Kinobesuch von 4,5 pro Jahr bundesweit an vierter Stelle, in Städten mit mehr als 400.000 Einwohnern an erster Stelle. Auch beim Versorgungsgrad nahm Dresden 2004 mit einem Sitzplatz pro 44 Einwohner bundesweit den vierten Platz ein, in Städten mit mehr als 400.000 Einwohnern ebenfalls den ersten Platz.

"Dresden braucht keine neuen Kinosäle mehr, aber das Programmkino Ost", bringt Sven Weser die Situation des Ein-Saal-Hauses auf den Punkt. "Wir hatten bei 'Das Mädchen mit dem Perlenohrring' mehr als 12.000 Besucher in den ersten sechs Wochen, eines der besten Ergebnisse bundesweit. Ein toller Erfolg, aber parallel dazu war die Auswertung anderer Filme ausgeschlossen." Auch für Programmkino-Ost-Geschäftsführerin Jana Engelmann steht fest, dass das Haus perspektivisch mit seinem 204-Plätze-Saal auf dem Dresdner Kinomarkt nicht bestehen wird. Deshalb soll im Januar kommenden Jahres mit dem Bau von zwei neuen Sälen mit insgesamt 224 Plätzen begonnen werden, wodurch sich die Platzkapazität verdoppelt. Für das gesamte Bauvorhaben, das auch die Sanierung des bestehenden Gebäudes sowie den Neubau eines Foyers und eines Restaurants einschließt, seien 1,5 Mio. Euro veranschlagt, erklärt Engelmann. Vor dem Hintergrund der allgemeinen Kinoflaute und der besonderen Situation auf dem Dresdner Arthouse-Markt ein gewagtes Unterfangen. "Das ist kein Harakiri", meint Engelmann. Sie sieht ein klares Wachstumspotenzial für ihr Haus. So habe das Programmkino Ost seine Besucherzahl kontinuierlich steigern können. Von 57.000 im Jahr 1991 auf 77.800 im vergangenen Jahr, obwohl sich in diesem Zeitraum das Arthouse-Platzangebot in Dresden verfünffacht habe.

In absoluten Zahlen zählte der Dresdner Arthouse-Marktführer Schauburg (drei Säle, 707 Plätze) im vergangenen Jahr zwar knapp 100.000 Besucher mehr als das Programmkino Ost, aber mit einer Auslastung von 383 Besuchern pro Platz liege man weit vor allen anderen Mitbewerbern, so Engelmann.

In der in diesen Zahlen zum Ausdruck kommenden Akzeptanz sehen Engelmann und Weser die Bestätigung dafür, dass es gelungen ist, das Programmkino Ost in den vergangenen 15 Jahren zu einer lokalen Marke zu entwickeln. Das heißt, Zuschauer so an sich zu binden, dass sie Filme, die auch anderswo in der Stadt zu sehen wären, in ihrem Haus sehen wollen. Voraussetzung dafür sei, dass das potenzielle Publikum wüsste, was es im "Ost" zu erwarten hätte - vor allem europäisches Kino, Dokumentarfilme, Originalfassungen und Festivals wie die jährlichen Französischen Filmtage.

Sachkundiges, freundliches Personal, guter Komfort, ein Gastronomieangebot jenseits von Junk- und Fastfood und eine ambitionierte werbliche Programmpräsentation sind für die beiden Kinobetreiber dabei Selbstverständlichkeiten. Sven Weser: "Wenn in der Kinobranche noch Wachstumsreserven schlummern, dann mit Sicherheit im Arthouse-Bereich."