Film

Martin Schürmann über die neuen Pläne der IM AG

07.07.2005 13:49 • von Barbara Schuster

Blickpunkt:Film Seit dem 1. Mai lenken Sie als CEO die Geschicke der IM AG. Was umfasst Ihr Businessplan?

Martin Schürmann: Ich habe das Unternehmen in den ersten Wochen genau unter die Lupe genommen und geschaut, was in der Vergangenheit falsch gemacht wurde. Grundsätzliche Fehler waren sicher nach Firmengründung der zu sehr auf Wachstum ausgerichtete Kurs. Da wurden Mittel in Projekte investiert, die man normalerweise niemals so freigegeben hätte - man ging auf volles Risiko. Aber die Firma musste ihr Line-up füllen, um genügend Output für das Jahr zu haben und entsprechend das Volumen steigern zu können. Aber auch Zukäufe wie IEG haben sich nicht als lukrativ erwiesen. Eher das Gegenteil war der Fall. Neben den hohen Overhead-Kosten und Abschreibungen waren der Kaufpreis und die laufenden Kosten für IEG eine große zusätzliche Belastung für IM. Das Unternehmen operierte fast wie ein Studio, nur mit dem Unterschied, dass man nicht über den Cashflow eines Studios verfügte. Allerdings will ich unterstreichen, dass das angedachte Geschäftsmodell kein schlechtes Modell war. Mit den Filmen selbst wurde ja kein Geld verloren. Das Problem war die nicht gegebene Planbarkeit der großen Kinoproduktionen von Intermedia.

BF: Was gedenken Sie zu tun?

MS: Ich will das Unternehmen auf eine planbare Basis stellen. Dafür haben wir uns entschlossen, neben den herkömmlichen Big-Budget-Kinofilmen auch in die Produktion von Genrefilmen für eine klar definierte Zielgruppe einzusteigen. Wir wollen Action-, Psycho- und Horrorfilmfans mit relativ günstig produzierter Ware bedienen, deren Performance besser einzuschätzen ist als bei großen Filmen für ein Massenpublikum. Ein Vorteil hierbei ist auch, dass Faktoren wie Schauspielerwechsel, Drehbuchentwicklung etc. leichter steuerbar sind. Die hier angestrebten Projekte, die durchaus auch einen Direct-to-DVD-Start erhalten können, werden wir wie unsere großen Kinofilme für den internationalen Markt konzipieren. Die Finanzierung stemmen wir über unseren jeweiligen Koproduktionspartner sowie durch Vorverkäufe. Sicher ist die Idee nicht neu. Dennoch sehen wir für Intermedia eine ideale Nische.

"Kontinuität und Planbarkeit stehen an erster Stelle"

BF: Mit Action Concept und Kadokawa Pictures haben Sie die ersten Partner an Bord.

MS: Ja. Mit dem japanischen Unternehmen, das das Original von "The Grudge" und "Ring" produziert hat, entwickeln wir "One Missed Call", ein amerikanisches Remake eines sehr erfolgreichen japanischen Films. Mit Action Concept ist ein Actionfilm in der Tradition von "Speed" geplant. Die Kölner sind, was Inszenierungen von Stunts und Explosionen betrifft, herausragend. Wenn unsere erste Produktion erfolgreich ist, wollen wir die Partnerschaft durchaus verlängern.

BF: Will Intermedia künftig stärker auf dem deutschen Markt operieren?

MS: Gerade in der Genreschiene sind wir sehr offen - ob das jetzt in Europa stattfindet oder in Asien. Das Projekt mit Action Concept wird in Deutschland gedreht, allerdings mit amerikanischem Cast. Da wir für den Weltmarkt produzieren, ist es schwierig, eine deutsche Besetzung zu nehmen. Sicher werden in den Nebenrollen auch deutsche Schauspieler zum Zug kommen. Insgesamt wollen wir pro Jahr fünf bis sechs dieser Genrefilme auf die Beine stellen.

BF: Sie planen zudem den Einstieg ins TV-Geschäft.

MS: Als Koproduktionspartner konnten wir den kanadischen Produzenten Jay Firestone gewinnen. Mit ihm haben wir einen Vertrag über eine TV-Serie abgeschlossen, die auf unserem Film "Mindhunters" basiert. Auch hier wollen wir mit einem Auge für den internationalen Markt an die Arbeit gehen. In den USA werden wir bei den Kabelsendern unterkommen. Jay Firestone hat viel Erfahrung mit Fernsehserien, und ich besitze darin viel TV-Know-how von meiner Zeit bei Bertelsmann.

BF: Wird die Produktion von großen Kinofilmen aufgegeben?

MS: Nein. Schon allein für das Image unseres Unternehmens wollen wir darin weiter tätig sein. Unser Mann ist hier nach wie vor Moritz Bormann. Allerdings ist Produktionsvoraussetzung, dass wir ein Studio als Partner an Bord haben. Ohne ein Studio gebe ich keine Investitionen frei. Aber viel wichtiger ist es jetzt, unseren Aktionären und Investoren eine gewisse Kontinuität zu zeigen. Die erreichen wir nur mit den zwei neuen Standbeinen, die das Unternehmen profitabel machen sollen. Und sicher wird es neben den genannten Koproduktionspartnern in Zukunft weitere geben.