Film

Deutsche Koproduktionen mit Osteuropa

16.05.2004 12:00 • von

"Bei den Produzenten wächst nicht nur das Bewusstsein, dass es europäische Koproduktionen gibt", so Gabriele Brunnenmeyer, MEDIA Antenne Berlin-Brandenburg, "sondern auch der Wunsch danach." Seit 2002 besteht im Rahmen von Connecting Cottbus z.B. das Ko-Development-Treffen COCO Special, unterstützt von deutscher Filmförderseite von Medienboard Berlin-Brandenburg und Mitteldeutsche Medienförderung. COCO habe vor allem den richtigen Geist getroffen, denn die osteuropäischen Produzenten fühlten sich dabei mit den anderen Partnern auf gleicher Augenhöhe, so Brunnenmeyer.

Den regionalen Fördern ist besonders die Trennung von Kofinanzierung und Koproduktion wichtig. So meint etwa Klaus Schäfer, GF das FilmFernsehFonds Bayern: "Wenn ein westeuropäischer Produzent nach Osteuropa geht, gibt es besonders großes Interesse von ihm Finanzierungsgelder zu bekommen." Das Missverständnis, dass es v.a. um Geld gehe, müsse man ausräumen. Gleichzeitig zeichne sich auch in Deutschland ab, so Manfred Schmidt, GF der MDM, dass kleine und mittlere Produzenten zunehmend nicht mehr allein national finanzieren können. "Man sollte aber über Kofinanzierung hinaus in einer frühen Phase geeignete Stoffe gemeinsam finden, die in beiden Märkten bzw. einem europäischen Markt funktionieren können", betont Schmidt die Bedeutung von Kodevelopment. Dies könne auch dazu beitragen, dass europäische Filme über die Grenzen des jeweiligen Produktionslandes gesehen werden. Michael Schmid-Ospach, GF der Filmstiftung betont: "Wir bestehen nicht um jeden Preis darauf, dass auch in NRW produziert wird." Der "Blick auf kulturelle Besonderheiten" habe dabei Tradition und war z.B. auch bei der Förderung von Lars von Trier-Filmen entscheidend. Auch besondere Filmemacher aus Osteuropa fördere die Filmstiftung ohne zu sehr auf den Regionaleffekt zu achten, wie z.B. Sokurov bei "Moloch" und "Russian Arc".

Neues Projekt nach einem Kertész-Roman

Ko-Development stand beim Kinoprojekt "Fateless" nicht im Vordergrund, das auf dem "Roman eines Schicksalslosen" des Literaturnobelpreisträgers Imre Kertész beruht, der auch das Drehbuch schrieb. Als Ende 2002 die ungarischen Koproduzenten Magic Media Inc. mit dem Drehbuch an EuroArts Entertainment herantraten, war Produzent Jonathan Olsberg damit sehr zufrieden: "Es ging nicht darum, das Skript zu ändern, sondern wie man es besser präsentiert und promotet." Die Ungarn wollten Input und Know-how von deutscher und englischer Seite - Renegade Films ist noch mit an Bord. Aufgrund des berühmten Romans konnte sich Olsberg vorstellen, einen großen internationalen Film daraus zu machen. Das Budget von "Fateless" liegt bei 10 Mio. Euro, von deutscher Seite wird es von der MFG Baden-Württemberg (600.000 Euro), MDM (300.000 Euro) und dem MDR unterstützt sowie auf europäischer von Eurimage (650.000 Euro).

Gelder kommen auch vom Ministerium des Ungarischen Kulturerbes, der ungarischen Filmförderung und von der britischen Ingenious Film. Die ersten Dreharbeiten zu "Fateless" begannen im Dezember und werden nun im Mai fortgeführt.

Gute Projekte auf den Weg bringen

Für die Firma Pallas Film aus Halle ist der Ansatz nicht so sehr das Transfer von Know-how. Die Firma wurde von Karl Baumgartner (Pandora Filmproduktion) und Thanassis Karathanos (Twenty Twenty Vision) eigens mit Blick auf Koproduktionen mit Osteuropa gegründet. An Baumgartner, der schon Tarkovskys "Nostalghia" produziert hat, waren zuvor mehrere osteuropäische Produzenten herangetreten. "Wir waren immer fair und haben nie verbrannte Erde hinterlassen", vermutet Baumgartner als Grund. Pallas Film realisiert bereits seit Oktober das erste Projekt aus einem MDM-Paket: Der Tscheche Bohdan Sláma dreht mit "Happiness" seinen zweiten Langfilm. Seine erste Arbeit "Wilde Bienen" hatte u.a. 2002 den Hauptpreis in Cottbus gewonnen. Pallas Film will helfen, Projekte von guten Filmemachern auf den Weg bringen, so Produktionskoordinatorin Elke Steinweg. Die Firma ist bei "Happiness" mit 30 Prozent minoritär beteiligt, der tschechische Koproduzent ist NEGATIV Film. Pallas stieg im Februar 2003 ein, als das Treatment fertig war. Danach ging alles "rasend schnell", so Steinweg, im Juni lag das erste und drehfertige Skript vor, im Oktober starten die Dreharbeiten. Diese werden sich noch bis Dezember 2004 dauern, da die 54 Drehtage in vier Blöcken gedreht werden. Dadurch bekommt der Regisseur die Möglichkeit alle vier Jahreszeiten mit dem realen Licht zu drehen. Die neuen Filmfördergesetze in den unterschiedlichen osteuropäischen Ländern begrüßt Steinweg sehr: "Dies stärkt die Position der osteuropäischen Produzenten."