Film

Koch Media steigt ins DVD-Geschäft ein

12.06.2003 14:16 • von Mareike Haus

DVD&VideoReport: Können Sie kurz die Geschichte von Koch Media skizzieren?

Dr: Koch Media wurde 1994 gegründet. Unsere Wurzeln liegen im Musikgeschäft. Seit längerer Zeit sind wir im interaktiven Bereich sehr breit aufgestellt. Wir sind nicht nur im Bereich Games und Software positioniert, sondern decken das Segment Interactive als Publisher, Distributor und zum Teil als Developer ab. Daher konnten wir dort den gesamten Retailbereich im deutschsprachigen Raum über die letzten acht Jahre sehr gut erschließen. Wir sind in den drei deutschsprachigen Ländern, in Großbritannien und Italien tätig. Die Sortimente und Vertriebsstrategien sind in den beiden letztgenannten Territorien marktbezogen zugeschnitten und noch von unserem DVD-Bereich abgekoppelt. Koch Media besitzt zentrale Auslieferungen in Höfen / Österreich und in Basingstoke / UK sowie insgesamt fünf Vertriebsniederlassungen in München, Wien, St. Gallen, Florenz und Basingstoke.

D&V: Was waren die Gründe für den Einstieg ins DVD-Geschäft?

Kundratitz: Die Gründe für unseren Einstieg ins DVD-Geschäft sind vielschichtig. Wir sind als Medienunternehmen aus der Musikbranche in das Segment Interactive eingestiegen. Als Vermarkter konnten wir uns hier eine führende Rolle im deutschsprachigen Raum sowohl bei Sortiment und Umsatz als auch bei der Vertriebsorganisation erarbeiten. Dadurch ergeben sich automatisch Synergien. Wenn man den Retailkanal in einem Produktsegment erschlossen hat, ist es eine natürliche Entwicklung, in ein benachbartes Produktsegment, in diesem Fall in den Bereich DVD-Video, einzusteigen. Darüber hinaus sehen wir auch, dass der DVD-Markt im Vergleich zur Musik und zur Softwarebranche eine ganz andere Entwicklung durchmacht, speziell bei der Kauf-DVD. Hier sind die Prognosen der Marktforscher zumindest mittelfristig sehr optimistisch. Und in wachsende Segmente einzusteigen, ist wesentlich einfacher, als in stagnierenden Märkten neu zu beginnen und dort Fuß zu fassen. Zu guter Letzt kommt eine generell von unserer Firma forcierte Wachstumsstrategie hinzu. Diese stützt sich nicht nur auf die neue Säule DVD, sondern betrifft auch den Bereich Games. Hier haben wir vor neun Monaten das Spielelabel Deep Silver ins Leben gerufen, unter dem wir Mitte Mai mit "Wildlife Park" ein sehr spannendes Produkt herausgebracht haben.

Vorläufige Releaseliste

VÖ September 2003:

Die Zwei - Collector's Box (1971) Geheimnisvolle Erbschaft (1946) Heiße Katzen (1967) Ipcress - Streng Geheim (1965) Oliver Twist (1948) Die Todeskarten des Dr. Schreck (1964) Red Wedding Night (1969)

VÖ Oktober 2003:

Circus der Vampire (1972) Draculas Hexenjagd (1971) Ein Kind war Zeuge (1952) Faustrecht der Großstadt (1950) Frightmare (1974) In den Krallen des Hexenjägers (1970) Polizei greift ein (1953) Vierzig Gewehre (1957)

D&V: DVD ist vorerst nur für den deutschsprachigen Raum geplant?

Kundratitz: Im ersten Schritt wollen wir mit DVD den deutschsprachigen Raum erschließen. Wie und wann diese Strategie auch in anderen Ländern umgesetzt wird, entscheiden wir nach der Startphase.

D&V: Wo will sich Koch Media im DVD-Markt positionieren?

Kundratitz: Eine aus der Musikbranche gelernte Tugend ist, als Independent nicht die Politik der globalen Player zu fahren, sondern eine Nischenpolitik zu betreiben. Genau das ist unsere Strategie im Bereich DVD-Video. Also Filme auf den Markt zu bringen, die für die großen Studios nicht direkt auf der Straße liegen. Wir spezialisieren uns auf die Backkatalogauswertung und haben uns mit Ulrich P einen sehr erfahrenen Mann ins Haus geholt. Wir bauen gerade ein Sortiment an Filmklassikern für Filmliebhaber auf. "Nicht die Politik der Global Player fahren" Das Produktsortiment definiert sich über Qualität, sowohl bei der Ausstattung als auch bei der Filmqualität selbst. Mit unseren Produkten siedeln wir uns im Mid- und Hochpreissegment an. Wir sehen, dass sich in anderen Ländern Republisher mit einer konsequenten und qualitätsbezogenen Produktpolitik durchsetzen konnten. Im deutschsprachigen Raum sehen wir durchaus einen Marktplatz für eine solche Politik. Dabei schließen wir nicht aus, dass wir in der Folge breitere Themen aufgreifen wollen. Langfristig sehen wir jedoch unseren Markt vor allem bei den Filmliebhabern, die Klassiker schätzen.

D&V: Die DVD-Divison ist bei Koch Media angedockt?

Kundratitz: Richtig. Wir nennen den neuen Geschäftsbereich Home Entertainment innerhalb der Koch Media Deutschland, Österreich und Schweiz. Es besteht im Moment kein Bedarf nach einem neuen Namen oder nach einem eigenen Label. Wir haben uns mit Koch Media im Handel einen soliden Namen aufgebaut und wollen diesen nicht ändern. Und für den Endkunden ist der Name so oder so von untergeordneter Bedeutung.

D&V: Sie wollen bewährte Strukturen aus dem Gameshandel auf den DVD-Sektor übertragen?

Kundratitz: Natürlich gibt es im Handel für die Produkte andere Einkäufer, der Salesprozess ist jedoch im Grunde derselbe. Wir arbeiten also sowohl in Vertrieb und Marketing als auch in der Pressearbeit im ersten Schritt mit unseren vorhandenen Ressourcen und bauen diese dann aus.

D&V: Die Absatzstrategie ist nur auf den Kaufmarkt und nicht auf den Verleih ausgerichtet?

Kundratitz: Sicherlich setzen wir primär auf den Kaufmarkt. Das bedeutet aber nicht, dass wir unsere Titel nicht auch dem Verleih anbieten wollen. Aber man muss hier realistisch sein: Unsere Klassiker eignen sich eher für das Kaufsegment. Gezielt die Filmfans ansprechen

D&V: Können Sie die DVD-Strategie genauer erläutern?

Ulrich P. Bruckner: Wir möchten Titel auf den Markt bringen, die einerseits Kultpotenzial haben und auf der anderen Seite Kinoklassiker von bekannten Regisseuren sind, die für sich allein schon einen Namen haben, wie Luchino Visconti oder Samuel Fuller. Wir wollen uns nicht nur auf ein bestimmtes Genre konzentrieren, sondern ein breiteres Spektrum anbieten. Darunter sind verschiedene europäische Dramen und Horrorfilme, aber auch hochwertige Italowestern. Darüber hinaus veröffentlichen wir künstlerisch wertvolle Filme, wie "Geheimnisvolle Erbschaft" und "Oliver Twist" von David Lean. Wir wollen ganz gezielt Filmfans ansprechen, und diese Zielgruppe kauft die Titel auch im höheren Preissegment. Wenn diese Titel für fünf Euro im Regal stehen, würden wir trotzdem niemanden erreichen, der sich nicht speziell für dieses Filmgenre interessiert.

Kundratitz: Es geht uns ganz klar um die Zielgruppe Filmliebhaber, von denen es sehr viele gibt. Diesen wollen wir die großen Namen und das große, zum Teil auch das links liegen gelassene Kino ins Haus bringen. Dieser Markt hat Massenpotenzial, allerdings mit einem Ansatz, der unsere Rolle als Independent berücksichtigt. Wir treten nicht als Direktvermarkter auf, sondern gehen klassisch über den stationären Handel bzw. den Internethandel. Mit unserem Programm werden wir nicht bei den Discountern präsent sein. Unsere Produkte werden flächendeckend im guten Fachhandel zu finden sein. Eine VHS-Auswertung ist nicht geplant.

D&V: Also Sammlerstücke für Filmliebhaber?

Bruckner: Wir haben beispielsweise mit "Heiße Katzen" einen Titel, der seit der Kinoauswertung noch nie im Fernsehen gezeigt oder auf Video ausgewertet wurde. Gerade Titel, die filmhistorischen Wert haben und weltweit nicht erhältlich sind, sind für uns interessant. Ein weiteres Produktsegment sind Kultfernsehserien. Zum Start veröffentlichen wir eine Collector's Box von "Die Zwei" mit deutscher und englischer Tonversion. Im Unterschied zu anderen Marktteilnehmern werden wir alle unsere Filme im Originalkinoformat, mit der entsprechenden Tonspur sowie restauriert und ungekürzt herausbringen. Wenn möglich, werden wir auch entsprechend Zusatzmaterial auf die DVD draufpacken. Bei "Oliver Twist" veröffentlichen wir zum Beispiel sowohl die gekürzte deutsche als auch die längere englische Fassung.

D&V: Wann werden die ersten Titel erscheinen?

Bruckner: Für September sind die ersten Veröffentlichungen geplant. Wir arbeiten noch an unserem Katalog; dieser wird zunächst etwa 20 Titel enthalten. Anfangs konzentrieren wir uns auf Klassiker. Das schließt natürlich nicht für später aktuellere Titel für unser Programm aus.

D&V: Welche Rolle spielt das zunehmende Piraterieproblem bei dieser Strategie?

Bruckner: Unsere Filme gibt es bisher noch nicht im Internet als illegale Downloads. Dort spielen die großen und aktuellen Filme eine Rolle; wegen klassischer Titel braucht man sich wohl eher keine Sorgen zu machen.

D&V: Vielen Dank für das Gespräch.