Film

RTL mit Event-Backdoor-Pilot "Held der Gladiatoren"

18.11.2002 16:51 • von Frank Heine

Die Überlegung des Senders, einen historischen Stoff auszuprobieren, basiert auf der Philosophie, dem Zuschauer immer etwas Neues anzubieten, aber auch auf der Überlegung, dass die Römerzeit nach dem Hollywood-Film "Gladiator" eine Renaissance erlebt und das Thema gehypt wird. "Wir machen keine Me-Too-Projekte. Mit dem Üblichen kann man nicht überleben", erklärt Jan-Richard Schuster, Abteilungsleiter Serie. "Vielmehr überlegen wir uns, was wir dem Zuschauer bieten können, das er noch nicht gesehen hat." Bei RTL glaubt man, dass sich die jungen Zuschauer für den Stoff interessieren werden. "Die Zeit war spannend, man kann aus ihr heraus viel erzählen und gestalten", so Schuster. Der Schwerpunkt der Geschichte liegt auf der Ausbildung der freien Gladiatoren und dem Leben in und außerhalb der Gladiatorenschule. Pilotfilm und die nachfolgende Serie - wenn sich der Daumen der Zuschauer nach oben richten sollte - sind sehr um Authentizität bemüht. Die geht von der Lebensweise bis hin zu den Details der Kostüme und Sandalen und wurde von Historikern überprüft. Auch die dargestellte Ausbildung von Frauen zu Gladiatrixen ist verbürgt. "Held der Gladiatoren" spielt in Augusta Treverorum, dem heutigen Trier. Dorthin kommt der brutale Gladiator - "Der Schlächter von Sparta" - Lagos (Dierk Prawdzik), nachdem er die Regel der Arena verletzte und seinen Gegner trotz Begnadigung tötete. Der Bruder des Toten, Germanus (Stephan Hornung), kommt ebenfalls nach Augusta Treverorum. Er hat Rache geschworen. Germanus' Schwester Rhihanna (Andrea Cleven) fühlt sich zu Lagos hingezogen, ohne zu wissen, das er ihren Bruder tötete. Dies wiederum beschwört die Eifersucht von Albina (Marion Mitterhammer), der Frau des greisen Statthalters von Augusta Treverorum, herauf.

Gedreht wurde in Puy de Fou inmitten der französischen Ven-dée, wo sich der Freizeitpark Grand Parc Cinéscénie befindet, der über eine römische Arena verfügt. Hier entstanden die Kampfszenen. Die Löwen, Tiger, Bären, Pferde und Kleintiere für diese Szenen wurden vom Team des Trainers Thierry de Portier dressiert. Der zweite Drehort war Malta, wo die Außenaufnahmen und die Aufnahmen in der Gladiatorenschule entstanden. Gedreht wurde On Location. Die Drehgenehmigungen waren leicht zu erhalten, ebenso die Erlaubnis, an historischen Gebäuden Umbauten vorzunehmen. Bauleute, Komparsen und Production Manager fanden sich vor Ort, die Technik musste allerdings mitgebracht werden. Was nicht vor der Kamera entstehen konnte, wird von SA Scanline in München digital erzeugt: das historische Augusta Treverorum sowie die 12.000 Zuschauer im Zirkus.

Kein Abklatsch von Sandalenfilmen

Eines soll "Held der Gladiatoren" allerdings nicht werden: ein Sandalenfilm. "Wir wollen keinen Sandalenfilm-Abklatsch machen und auch keinen Kostümfilm", so Schuster. Und Gabriela Brenner: "Die Location, der Look mit seiner Hitze, dem Wind und dem Staub sowie die Schauspieler unterscheiden uns von allen anderen Produktionen." Beim Casting habe sich schnell herausgestellt, "wer eine Robe oder ein Kleid tragen kann", erinnert sich Brenner. "Wir wollten gute Schauspieler", erklärt Schuster. "Hätten wir bekannte Schauspieler genommen, wäre es schnell ein Kostümfilm geworden." Nach dem Casting kam eine sechswöchige Vorbereitungsphase in Berlin, wo die Körper entsprechend aufgebaut und Kampftechniken geübt wurden. Die Schauspieler wurden nicht gedoubelt. Natürlich werden auch Stuntleute eingesetzt, die meist Gladiatoren spielen und bei der Serie dabeibleiben sollen. Die Idee zu "Held der Gladiatoren" entstand vor zwei Jahren. Für Grundy UFA als Produzenten entschied sich RTL, weil sich die bisherige Zusammenarbeit bewährt hatte. "Dies ist eines unserer ehrgeizigsten und innovativsten Projekte", so Schuster. "So etwas ohne Leute zu realisieren, die man kennt und mit denen es eine inhaltliche und produktionstechnische Übereinstimmung gibt, ist unmöglich." So kam auch Jorgo Papavassiliou an Bord, der schon einige Projekte für RTL gemacht hat. "Es ist unsere Politik, dass wir mit denjenigen weiter zusammenarbeiten, die sich bei uns ihre Sporen verdient haben. Jorgo weiß, was wir wollen und kann es umsetzen." Die Geschichte des Films wurde von Johannes Wünsche geschrieben, das Drehbuch von Robert Löhr. Neben Gabriela Brenner als Producerin fungiert Tilman Taube als Senior Producer. Als Koproduzent ist der ORF an Bord. Kamerafrau ist Yvonne Tratz. Geht der Stoff in Serie, würde in Deutschland ein festes Set gebaut werden. Die ersten zehn Serienbücher befinden sich bereits in der Entwicklung. Ausstrahlungstermin des Piloten ist voraussichtlich im Herbst 2003.