Film

Lukas Hobis Produktionsfirma Zodiac Pictures: "Kommerz ist für uns kein Schimpfwort"

07.08.2002 17:05 • von Jochen Müller

"Wir sind schon etwas schneller", fasst Lukas Hobi, CEO der Zodiac Pictures International Ltd., die Tatsache zusammen, dass er in nur zwei Jahren mehr Filmprojekte auf die Beine gestellt hat als die meisten anderen Schweizer Produzenten. Hobi geht nicht nur den mühsamen Weg der Finanzierung über öffentliche Subventionen. "Es gibt Investoren", widerlegt Hobi die vorherrschende Meinung, dass private Gelder für die Filmproduktion in der Schweiz nicht zu finden seien. "Wir denken marktbezogen", sagt Hobi, der sich auch als Vorstandsmitglied im Verband der Schweizer Filmproduzenten engagiert. "Kommerz ist für uns kein Schimpfwort." In der Schweiz gibt es erst seit wenigen Jahren zaghafte Versuche, marktorientierteres Kino zu machen. Die Zürcher Produzentin Ruth Waldburger hat mit "Katzendiebe" und "Komiker", bei welchen Markus Imboden Regie führte, Achtungserfolge erzielt und dieses Jahr mit "Ernstfall in Havanna" von Sabine Boss einen Boxoffice-Hit gelandet. Die drei Filme wurden, wie in der Schweiz üblich, mit Subventionen und Fernsehgeldern produziert. Ebenfalls ein überraschender Erfolg war "Exklusiv" von Florian Froschmayer, der 1999 zum zweiterfolgreichsten einheimischen Film in den Schweizer Kinos avancierte und als erste Schweizer Produktion ganz ohne Subventionen entstanden ist. Mit diesem Film versuchte sich Lukas Hobi erstmals als ausführender Produzent. ",Exklusiv" haben wir mit Product Placement und Sponsoring finanziert", erklärt er.

Ermuntert durch den Erfolg gründete Hobi zusammen mit Markus Käppeli Zodiac Pictures mit Sitz in Luzern sowie in Los Angeles. Seit Anfang 2002 ist Zodiac zudem an der Berliner Firma Sabotage Films beteiligt. "Man muss international produzieren", ist Hobis Überzeugung. Seine Strategie beruht auf zwei Standbeinen. "Wir wollen einerseits für den lokalen Markt produzieren, der aus den deutschsprachigen Territorien Deutschschweiz, Deutschland und Österreich besteht, und andererseits für den internationalen Markt." Als lokale Produktionen sind bisher das TV-Movie "Im Namen der Gerechtigkeit" von Stefan Jäger und die deutsch-schweizerische Kinokoproduktion "Julies Geist" von Bettina Wilhelm entstanden. "Es ist uns wichtig, mit jungen Schweizer Autoren und Regisseuren zu arbeiten", erklärt Hobi sein Engagement für den Schweizer Film. Auch mit den kommenden Projekten, die bald drehreif seien, werden Schweizer Regisseure ihre ersten Kinofilme drehen können. Mit Mike Eschmann entsteht "Achtung, fertig, Charlie!", eine Teenie-Komödie im Schweizer Armeemilieu. In der Schweiz verleiht den Dialektfilm Buena Vista International, in Deutschland Ottfilm, und mit der deutschen Telepool hat man zudem einen renommierten Weltvertrieb verpflichten können. Zodiacs erstes internationales Projekt ist die schwarze Romantikkomödie "Chaos and Cadavers". Der Film ist für den internationalen Markt konzipiert, und dementsprechend wird in Englisch gedreht. Das Budget von 2,8 Mio. Dollar hat die Firma ausschließlich mit privaten Investoren zusammengebracht. "Chaos and Cadavers" unter der Regie von Niklaus Hilber entsteht als schweizerisch-britische Koproduktion. "Wir wollen mit unseren Filmen Geld verdienen", sagt Hobi. Das ist neu im Schweizer Film, und ebenfalls neu ist, das öffentlich zu sagen.